Prepare To Die! – VIDEOREIHE: Tod in Videospielen // Tod als Spielmechanik

Tod als Spielmechanik 2

Speicherstände

Im Laufe der Zeit entfernte sich das Design von Videospielen aber von dieser Mechanik. Auf Heimcomputern war die Möglichkeit den Spielfortschritt manuell zu speichern dank wechselbarer Datenträger schon sehr früh vorhanden. Im Bereich der Videospielkonsolen wurde anfänglich ein Passwortsystem verwendet, bis mit The Legend of Zelda auf dem Nintendo Entertainment System 1986 das erste Videospiel erschien, dass dem Spieler die Möglichkeit bot, mit Hilfe einer Batterie auf der Platine des Spielemoduls den erreichten Spielfortschritt zu speichern, um im Falle des Bildschirmtodes nicht wieder komplett von vorne beginnen zu müssen. 

Mit Hilfe von Speicherständen bedeutet somit der Tod der Spielfigur zwar immer noch das Ende des Spiels, aber durch die Möglichkeit des Speicherns und Ladens des Spielfortschrittes kann der Spieler einen erneuten Versuch starten, ohne das Spiel von vorne beginnen zu müssen. 

Dabei existieren verschiedene Variationen dieser Spielmechanik. Es steht dem Spieler entweder frei zu jeder Zeit im Spiel den Fortschritt zu speichern, nur an vorbestimmten Örtlichkeiten in der Spielwelt oder es erfolgt das automatische Speichern durch das Spiel an sogenannten “Checkpoints” beim Erreichen eines vorbestimmten Spielfortschrittes. Bei einem Bildschirmtod kehrt der Spieler dann entweder automatisch zur zuletzt genutzten Speichermöglichkeit oder dem zuletzt erreichten Checkpoint zurück, um von dort aus weiter zu spielen. Manche Spiele ermöglichen beide Optionen, ein freies Speichern und Zeit- oder Spielfortschritt gesteuertes automatisches speichern.

In Anlehnung an die Anzahl von Bildschirmleben kann die Anzahl an Speicherständen auch eingeschränkt werden. Dem Spieler steht es damit zwar immer noch offen wann und ob er seinen Fortschritt sichern möchte, aber er kann diese Option nicht uneingeschränkt und nur an bestimmten Punkten im Spiel nutzen. Dem Spieler steht in manchen Spielen auch nur ein einziger Speicherstand pro Spieldurchgang oder Charakter zur Verfügung.

In Resident Evil ist das Speichern zum Beispiel nur mit Hilfe von Farbbändern an Schreibmaschinen möglich, die in Safe Rooms zur Verfügung stehen. Zusätzlich existieren nur eine limitierte Anzahl von Farbbändern.

Permadeath

In sogenannten Rogue Like Spielen steht dem Spieler nur ein Bildschirmleben zur Verfügung. Bei einem Bildschirmtod verliert der Spieler jedweden Fortschritt im Spiel und muss komplett von vorne beginnen. 

Eine Abwandlung dieses Genres sind Rogue Lite Spiele, die es dem Spieler erlauben, im Falle eines Bildschirmtodes bestimmte gesammelte Gegenstände, im erreichten Spielverlauf frei geschaltete Charakterfähigkeiten oder Währungen zu behalten, um den nächsten Versuch der Bewältigung des Spiels zu erleichtern.

Im folgenden einige Beispiele wie Spiele den Spielertod in besonderer Weise als Spielmechanik behandeln.

The Journey to the Savage Planet

Der Spieler ist mit einem Raumschiff auf einem fremden Planeten gestrandet und muss diesen erforschen, um einen Weg nach Hause zu finden. Beim Tod des Spielers wird vom Schiffscomputer ein Klon erstellt, mit dem das Spiel fortgesetzt werden kann. In der Spielwelt kann der Spieler seinen toten Körper wiederfinden und begraben.

Zombi/ZombiU

London ist von Zombies überrannt und es ist die Aufgabe des Spielers mit einem Überlebenden aus der Stadt zu entkommen. Wenn er dabei stirbt, kann er das Spiel mit einem neuen Überlebenden aus dem Safe House fortsetzen. Um seine bisher gesammelten Gegenstände zurück zu bekommen, muss der Spieler dafür den vorherigen Überlebenden, der nun als Zombie in der Spielwelt existiert, finden und töten.

Prey

Das Spiel handelt von der Invasion von Außerirdischen und der Entführung des Hauptcharakters auf deren Raumschiff. Ziel des Spieles ist es die Invasion zu stoppen und vom Raumschiff zu fliehen. Der Hauptcharakter stammt von amerikanischen Ureinwohner ab und betritt, wenn er getötet wird, eine Art Geisterwelt. Hier muss der Spieler mit einem magischen Pfeil und Bogen auf umherfliegende Geistergestalten schießen, um deren Lebensenergie zu sammeln, um ins Leben zurück zu kehren und das Spiel fort zu setzen.

Omicron – The Nomad Soul

Zu Beginn des Spiels wird der Spieler selbst direkt über den Computermonitor von einem Polizisten namens Kay’l aus einer anderen Dimension kontaktiert. Kay’l bittet um die Hilfe des Spielers, eine Verschwörung in seiner Dimension aufzudecken. Um in die andere Dimension zu reisen, muß der Spieler allerdings seine “Seele” in Kay’ls Körper transferieren, um die Kontrolle über dessen Körper zu übernehmen. Sollte der Spieler im Verlauf des Spiels in Kay’ls Körper sterben ist Kay’l in der Spielwelt permanent Tod, aber die “Seele” des Spielers wechselt in die nächste Person, die mit dem Leichnam interagiert und der Spieler kann das Spiel mit dieser Person weiter spielen.

Cannon Fodder

In Cannon Fodder steuert man eine Gruppe von meist zwei bis fünf Soldaten und muß einfache Missionsziele wie die Tötung aller Feinde oder die Zerstörung aller Gebäude erfüllen. Die verfügbaren Bildschirmleben werden in Form einer langen Schlange von Rekruten im Startmenü dargestellt. Werden die eigenen Soldaten während einer Mission getötet, füllt sich ein Grashügel im Startmenü nach und nach mit den Grabsteinen der getöteten Soldaten. 

Everquest

In frühen Online Rollenspielen wie Everquest stellte der Bildschirmtod zwar nicht das Spielende dar, aber dafür den Verlust von Erfahrungspunkten und schwerwiegender den Verlust der Ausrüstung. Den obwohl der Spieler an einem sogenannten Bindepunkt wieder in die Spielwelt zurückkehrte, verblieb die am Körper getragene Ausrüstung auf dem Leichnam des Charakters am Ort des Todes. Wer das Glück hatte mit einer Spielergruppe unterwegs zu sein, die den Leichnam wiederbeleben konnte, kam schnell wieder in den Genuß seiner Besitztümer und der verlorenen Erfahrungspunkte. Wer allerdings allein auf sich gestellt ums Leben kam, mußte sich “nackt” oder mit einer eventuell in seinem Bankfach hinterlegten Ersatzausrüstung auf den Weg machen, um sein Hab und Gut wieder zu erlangen.

…………………………………………………………………
Prepare To Die! – VIDEOREIHE: Tod in Videospielen

#1 Arcadespiele
#2 Tod als Spielmechanik
#3 The Last of Us
#4 Spec Ops The Line
#5 Shadow of the Colossus
#6 What Remains of Edith Finch
#7 Journey
#8 Rime
#9 Battlefield 1
#10 Murdered: Soul Suspect