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keine feier für den toten hund des führers

Wir sind nicht in den Münchner Kammerspielen zu Hause und auch nicht in der Witwe Bolte. Wir sind manchmal zehn und manchmal zwanzig. Wir sind scheinbar etabliert, aber eher chaotisch. Wir produzieren und zerstören. Wir spielen Theater und lieben das Geld. Wir machen Verträge und sind Anarchisten. Wir hören Musik, die Rolling Stones, und stehen nur zufällig auf der Bühne.

Das Manifest von Rainer Werner Fassbinders „antitheater“ ist fast vierzig Jahre alt und liest sich, als sei es von heute. Die Kammerspiele gibt es noch, die Rolling Stones auch, nur die „Witwe Bolte“ nicht mehr, aber das kann man ändern. Und darum geht es ja schließlich. Ramin Anaraki – im PATHOS transport theater zuletzt mit „Judith“ und einer Arbeit zu „Musketiere IV“ erfolgreich – untersucht mit seinem Ensemble den Mythos des „Fassbinder-Clans“ und nebenbei die Option, eine derartige brainfactory heute wieder zu begründen – und zu leben.

Ramin Anaraki sagt im Gespräch mit dem Dramaturgen
Tarun Kade:


(...) dass es interessant ist, sich mit jemandem auseinanderzusetzen, der kontrovers in seiner Arbeitsweise und seinen Themen ist und der auch etwas mit München zu tun hat. So bin ich auf Fassbinder gestoßen.


(...) dass die Themen, die er behandelt, schon für ihre Zeit sehr vielschichtig waren und es in ihrer Komplexität auch immer noch sind. Diese radikale Analyse von Ausbeutung in jeder Form, verbunden mit einer Mischung aus Sehnsucht nach Liebe und kaltem, sezierendem Blick auf ihre Mechanismen.


(...) dass diese Form einer Gruppe, wie in ihr diskutiert wurde und Utopien erzeugt wurden, schon ein Zeitphänomen ist. Man hat in dieser Zeit erst angefangen, sich mit den Strukturen von Gruppen zu
beschäftigen, sie transparent zu machen. Dennoch war man damals vielleicht sogar einen Schritt weiter in der Reflexion von Gruppen und
Gruppenstrukturen.


(...) Fassbinder hat auch gesagt, dass er zwar gerne in einer Gruppe arbeiten würde, dass aber die Menschen aufgrund des gesellschaftlichen Systems und der darin stattfindenden Erziehung, hierarchisch geprägt sind und damit nicht gruppenfähig im Sinne einer gleichberechtigten Zusammenarbeit im Kollektiv.


(...) Die größte Leistung Fassbinder ist für mich, dass er sich bis zur Selbstzerstörung in den Dienst von Kunst und Gesellschaft gestellt hat. Er hat sich mit der größten, auch körperlichen Wucht in seine Zeit geworfen und wirklich neue Themen und Ästhetiken ausprobiert, die heute noch relevant sind.


(...) „keine feier für den toten hund des führers“ ist der Titel eines seiner Buchvorhaben. Für uns ist das einerseits ein Verweis auf unsere Herangehensweise, die selbst keine Feier für Fassbinder und seine Hunde, wenn man das so sagen darf, anstrebt, sondern eine freie Beschäftigung mit dem Phänomen Fassbinder und Gruppenstrukturen im allgemeinen.

 

mit Stefan Drücke, Angelika Fink, Simon Kirsch,Arthur Klemt

Regie: Ramin Anaraki, Dramaturgie: Tarun Kade, Bühne: Annette Haunschild, Kostüme: Diana Ammann

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