THEATER DER LEERE

Projekt von Katrin Dollinger und Kai Schmidt

Erstens, wir brauchen die großen Häuser nicht mehr, sie brauchen sich lediglich selbst. Zweitens, die Zukunft der Theater ist von der Deutungshoheit und der Ignoranz derer bedroht, die ihre Maschinerie am routiniertesten bedienen. Also lassen wir sie weg. Drittens, wenn das Zweite Deutsche Fernsehen alle acht Minuten einen Zuschauer verliert, sieht es für die Theater in kürzester Zeit noch schlimmer aus. Ein Haus wie das Resi: in elf, zwölf Stunden keiner mehr da. Viertens, es wird also ein „Theater der Leere“ geben.

Unterstützt durch ein Förderstipendium der Landeshauptstadt München haben die Dramaturgen Dollinger und Schmidt  im Sommer 2010 damit begonnen, das Theater der Leere zu untersuchen. Ein Laborversuch, der sich sehr bald als schwer kontrollierbar erwies. Wahrscheinlich wäre ein strenges Regelwerk für die Begegnung und den Umgang mit der Leere notwendig gewesen, weil kaum jemand an diesen Zustand gewöhnt ist und auch nicht gewöhnt sein kann. Menschen werden auf sich selbst zurück geworfen, das Nichts, das sie umgibt, ist ihnen unerträglich. Zugleich aber haben Dollinger und Schmidt erkannt, dass die Leere gegenständlich und damit fassbar geworden ist.

Im Zuge ihrer Recherchen begegneten sie dem ehemaligen Staatsschauspieler Calvin Schmidt, der aus seiner Konfrontation mit der Leere eine tatsächliche persönliche Perspektive entwickelt hat: Indem er entschieden hat, kriminell zu werden. Auf der Suche nach einer Gegenwart besucht er die Theaterhäuser und entdeckt ihre Leere. Er sitzt auf allen Stühlen. Er träumt sich die eigene und nur für ihn gespielte Vorstellung. Er weiß aber, dass es ihn nur einmal gab und nicht mehr geben wird. Er weiß um seine Vergangenheit und weiß, dass sie ihm keine Zukunft gibt. Dass es eine Zukunft nur gibt, wenn er die Vergangenheit hinter sich lässt und sie beendet. Wenn Calvin Schmidt ein Theaterhaus besucht hat, ist davon nämlich bald nichts mehr übrig.

Spiel Marcus Calvin, Susanne Schroeder
Konzept, Text, Einrichtung Katrin Dollinger, Kai Schmidt
Musik, Arrangement Michael Emanuel Bauer
Video, Foto Johannes Braus
Licht, Technik Tom Friedl, Roland Wedel
Bühne, Bauten Jörg Besser

Vorstellungen Donnerstag 16., Freitag 17., Samstag 18. Februar 2012, jeweils 20.30 Uhr

VVK
www.pathosmuenchen.de/tickets/
Ticket-Telefon 0152-05435609

Koproduktion mit PATHOS München, gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

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