SOLARIS
Ein Kammerspiel nach Stanislaw Lem
Der Psychologe Kris Kelvin hat einen Auftrag. Er soll den Stand der Forschungen auf einer über dem Planeten »Solaris« schwebenden Raumstation beurteilen und sich ein Bild von der seelischen Verfassung der Forscher machen. Kelvin wurde für diese Mission ausgewählt, weil er als Arzt und Kosmonaut hohes Ansehen genießt. Demgegenüber steht sein erschütterndes Versagen im Privaten. Er lässt sich auf ein Unternehmen ein, das eine jahrelange Abwesenheit von der Erde mit sich bringt, weil er nach dem Selbstmord seiner Geliebten Harey nichts mehr zu verlieren hat. Er ist mit der Erde fertig. Die freiwillige Abgeschiedenheit im Weltall, das kerkerähnliche Leben an Bord der Station – all das scheint für ihn Selbstbestrafung und Zuflucht zugleich. Wovor aber flieht Kelvin? Worin besteht seine Schuld? Der Roman enthält kein Bekenntnis, liefert jedoch einige Anhaltspunkte, die dafür sprechen, dass er selbst entscheidend zur Eskalation beigetragen hat, die zu Hareys Selbstmord führte.
Kurz nach seiner Ankunft bemerkt Kelvin, dass auf der Station nichts mehr seinen gewohnten Gang geht. Die verbliebenen Forscher, Snaut und Sartorius, benehmen sich seltsam, arbeiten gegeneinander und verbarrikadieren sich in ihren Räumen. Die Ursache erfährt er am eigenen Leib, als nach seiner ersten Nacht auf der Station plötzlich die verstorbene Harey in seinem Zimmer auftaucht. Sie trägt das gleiche Kleid wie im Moment ihres Todes, sogar die Narben am Handgelenk sind noch zu sehen.
Es stellt sich heraus dass »Solaris« die schmerzlichsten Erinnerungen der Menschen aus deren Gewissen herausliest und die Hauptpersonen ihrer traumatischen Erlebnisse als virtuelle »Gäste« zu ihnen schickt - ungeachtet der Tatsache, dass einige dieser Personen eigentlich schon tot sind.
Kelvin empfindet die Harey-Kopie zwar zunächst als Gefahr und versucht sich ihrer zu entledigen - als sich dies aber als sinnlos erweist, arrangiert er sich mit ihrer Anwesenheit und lässt sich sogar auf Zärtlichkeiten mit der Wiedergängerin ein.
Harey ist eine Frau ohne Vergangenheit, sammelt jedoch schnell Wissen. Sie füllt die »tabula rasa« ihrer Identität mit Erinnerungen und lernt durch Fragen und Beobachten, sich an die Gegebenheiten ihrer Existenz anzupassen. Durch die Gespräche mit ihr ist Kelvin gezwungen, die letzten Stationen ihres gemeinsamen Lebens zu erinnern,bis hin zum grausamen Ende. Sonst um keine Antwort verlegen, steht er nun vor unlösbaren Fragen und beschließt, sich von Grund auf zu ändern.
»Solaris« ist ein Gedankenexperiment. Stanislaw Lem ist der Erfinder und Leiter dieser Versuchsanordnung. Seine Geschichte spielt außerhalb der Welt, in einer Raumstation. Er kann also genau bestimmen, was es dort gibt und was nicht. Er kann die Existenzbedingungen seiner Figuren genau festlegen und alle äußeren Faktoren auf ein übersichtliches Maß reduzieren. Er kann auch einfach behaupten, dass ein Wunder geschieht und sich dann vorstellen, wie wir modernen Menschen wohl darauf reagieren würden: Das Wunder der zweiten Chance. Die religiöse Idee des Fegefeuers. Das Wunder lässt Lem im Kleinen wirken - es geht nicht um die Rettung der Menschheit, sondern um Zwischenmenschliches: um den gescheiterten Lebensentwurf eines modernen Paares, um die Frage nach möglicher Mitschuld an einem Selbstmord und die Verarbeitung des Geschehenen durch eine hinterbliebene Person. Das Wunder zwingt die Figuren, ihre Wahrnehmung zu hinterfragen und fast sinnentleerte Begriffe wie Realität, Wahrheit, oder Schuld neu zu definieren.
Lem spielt zudem mit dem Schreckbild des künstlichen Menschen und thematisiert die Versuchungen, vor die uns die virtuellen, interaktiven Realitäten von heute stellen.
Mit Atef Vogel, Sophie Lutz, Sven Hussock, Jaron Löwenberg Regie Alexander Nerlich Musik Thom Luz Raum und Video Meike Ebert und Alexander Nerlich Dramaturgie und Romanbearbeitung Anne Schäfer Kostüm Katja Kirn Licht Thomas Friedl Maske Marianne Meinl (in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Maskenbild der Bayerischen Theaterakademie August Everding)
Koproduktion mit PATHOS München, gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München
collisions
Der Schwerpunkt der Studioarbeit von »collisions« liegt auf genauem und intensiven Zusammenspiel, mit dem Ziel, das Absurde normal und das Normale absurd erscheinen zu lassen. “collisions” <=> Konflikte. Kommunikationsprobleme. Fehleistungen. Realitätsbrüche.






