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TASSO nach Goethe
Von und mit: Martin Clausen, Peter Trabner, Jörg Witte und Baraba Balsei

Ich komme langsam dir ein Werk zu bringen,
Und zaudre noch es dir zu überreichen.
Ich weiß zu wohl, noch bleibt es unvollendet,
Wenn es auch gleich geendigt scheinen möchte.
Allein, war ich besorgt es unvollkommen
Dir hinzugeben, so bezwingt mich nun
Die neue Sorge: Mocht' ich doch nicht gern
Zu ängstlich, möcht' ich nicht undankbar scheinen.
Und wie der Mensch nur sagen kann: Hier bin ich!
Daß Freunde seiner schonend sich erfreuen:
So kann ich auch nur sagen: Nimm es hin!

Johann Wolfgang Goethe, Torquato Tasso

 

Goethes Künstlerdrama wurde im Probenprozess in Abschnitte zerlegt und per voting den persönlichen Interessen in Zusammenhang mit dem Stoff folgend den einzelnen Performern zugeteilt. Als ehemals und gegenwärtig Machthabende, Ohnmachthabende und Zusammenarbeitende zurren Clausen, Trabner, Witte und Balsei den Stoff in eine gänzlich neue Kette. Durch den Originaltext dazu aufgefordert, geht es dabei immer um die Frage, inwieweit es sich beim Erarbeiten und Aufführen von Kunst und im Leben der Beteiligten um eine freie unabhängigeTätigkeit handeln kann. Die unterschiedlichen Hierarchieerfahrungen der Spieler, die in ihre Körper eingeschriebenen Domestizierungen, sowie ihre Versuche, diese zu fliehen, sie zu übermalen oder selbstbewusst zu vertreten wandern in den Abend, in Form gegenseitiger Überzeugungsversuche, wie mit dem Stoff zu verfahren sei, ein. Zwischen den sich selbst befreienden Selfmade-Performern und ihren komplex-verlogen-verargumentierten Finanzierungsmodellen in den Überlebensverlockungen der Film- und Fernsehbranche - zwischen Werbespot, Tatort und dem drohenden wie herbeiersehnten Festengagement - lavieren unsere Charaktere mal als gesicherte, mal als ungesicherte Schläfer. Sie vergessen nicht, dass sie sich wie Tasso selbst ständig in Abhängigkeiten bewegen, diese sogar bedienen und zur Schau stellen. Sie versuchen somit die Affirmativitätsfalle immer wieder zu unterlaufen.
Dieser TASSO ist nah an der Macht, Liebe, Gewalt; Sehnsucht, Angst des Originals und maximal nahe am Leben der Beteiligten.

Video-Postproduktion: Alexander Litschka


 

„Clausen, Trabner und Witte auf einer Bühne. 
Drei starke Typen, aus unterschiedlichen Theatersozialisationen die sich gegenseitig zum Spiel herausfordern. Das ist knallhart und poetisch und eine dringende Empfehlung.“ BB

 

Gefördert aus Mitteln der Spielstättenförderung des Pathos München und des Fonds Darstellende Künste e.V.

Eine PATHOS München Produktion

VORSTELLUNGEN
Do. 19.11.2015, 20:30 Uhr
Fr. 20.11.2015, 20:30 Uhr
Sa. 21.11.2015, 20:30 Uhr
So. 22.11.2015, 17:00 Uhr
So. 22.11.2015, 20:30 Uhr

Einblick in die Probenarbeit zu TASSO finden Sie unter: www.tassoimpossible.wordpress.com.

 

FOTO

©Gunter Bieringer